Gewalt

… und Männer! Dieser Zusammenhang scheint, wenn man sich gesellschaftliche Zusammenhänge und verschiedenste Untersuchungen anschaut, eng miteinander verknüpft zu sein.

Ein gesamtgesellschaftliches Problem

Gewalt, insbesondere die häusliche Gewalt als gesamtgesellschaftliches Problem zu sehen und es nicht in eine „Schmuddelecke“ zu stellen, bedeutet, dieses Thema besprechbar zu machen. Sowohl Opfer als auch Täter anzusprechen, ihnen ein professionelles Beratungsangebot zu machen, ist der einzige Weg, weitere Opfer zu verhindern.

Keine Straftat, und auch die häusliche Gewalt ist eine Straftat, ist so gleichmäßig über alle Bevölkerungsschichten, kulturellen Gruppen und Alters- und Berufsgruppen verteilt, wie die häusliche Gewalt. Es spricht nur niemand darüber. Schreibe ich dieses Problem nur bestimmten (problembehafteten) Menschen zu, halte ich es weit von mir entfernt. In der Realität betrifft es jedoch meinen Freundeskreis, meine Nachbarschaft, meine Familie oder meinen Arbeitsplatz. Hier bedarf es einer gesellschaftlichen Haltung. Häusliche Gewalt ist durch nichts zu rechtfertigen oder gar zu entschuldigen. Es ist eine gesellschaftliche Tatsache, der sich die Gesellschaft stellen muss, um weiteres Leid zu verhindern.

Im öffentlichen Raum

Kaum ein Wochenende vergeht, an dem die Polizei nicht zu Schlägereien vor Diskotheken oder Kneipen gerufen wird. Darüber hinaus gibt es die Übergriffe im privaten Bereich. Dabei handelt es sich um Gewalt oder grenzüberschreitendes Verhalten zwischen Menschen, die sich nahe stehen und eigentlich einen hohen Anspruch an das gemeinsame Zusammenleben haben. Die Statistiken besagen, dass Männer, sowohl als Täter wie als Opfer, deutlich häufiger von körperlicher Gewalt betroffen sind als Frauen.

Häusliche Gewalt

Die Gewalt im häuslichen Bereich wird zum großen Teil

von Männern gegenüber Frauen ausgeübt. Wobei das eindimensionale Bild aus früheren Tagen Mann = Täter und Frau = Opfer im Laufe der Diskussionen der letzten Jahre facettenreicher geworden ist.

Es hat immer Männern gegeben, die auch Opfer häuslicher Gewalt waren, aber alles unternommen haben, damit niemand mitbekommt, dass sie durch ihre Frauen Gewalt erleben. Das heißt, dass Männer aus ihrer Not heraus nicht als Opfer ihrer Frau gesehen werden wollen und damit das eindimensionale Bild der Schuldzuweisung in Richtung Mann untermauern.

Wenn wir von Gewalt sprechen, geht es immer um Grenzüberschreitungen. Oft werden die Grenzen anderer überschritten, fast immer geht es auch um die eigenen Grenzüberschreitungen. Männer leben deutlich riskanter, leben ungesünder, überfordern sich immer wieder und setzen sich andauerndem Stress aus. Männer nehmen oft ihre eigenen Grenzen nicht wahr und haben aus diesem Grund kein Gespür für die Grenzen anderer.

Die nach wie vor tradierten Rollenbilder von dem Mann, der „Herr einer Situation“ sein muss, der alles im Griff haben muss, scheinen gewalttätiges Verhalten zu befördern.

Männer gegen Männer

Im öffentlichen Raum wird Gewalt von Männern in erster Linie gegenüber Männern ausgeübt. Dass heißt auch, dass Männer Opfer von männlicher Gewalt sind. In Parks, in Kneipen und Diskotheken, auf der Strasse oder im Stadion geraten Männer und männliche Jugendliche aneinander und scheinen sich messen zu wollen, wer der Stärkere, der Schnellere, der Härtere ist. Wer zurückzieht hat verloren, ist das Opfer.

In der Auseinandersetzung zu unterliegen, bedeutet für Männer zu verlieren, bedeutet ein Verlierer zu sein. Es scheint für Männer eine enorm wichtige Rolle zu spielen, nicht als Verlierer da zu stehen, da sie nicht nur im Kampf unterliegen, sondern auch als Mann ein Verlierer sind. Das scheint so bedrohlich zu sein, dass Männer bereit sind, das Leben anderer und nicht selten ihre eigene Freiheit aufs Spiel zu setzen.

Männer als Opfer

Männliche Jugendliche erleben in der Gruppe der Gleichaltrigen häufig Gewalt ohne dass sie sich selbst als Opfer bezeichnen würden. Opfer zu sein, entspricht nicht dem männlichen Selbstbild. Es ist also nachvollziehbar, dass Jungen und Männer sich schwer tun, sich jemandem anzuvertrauen, wenn sie Gewalt erlitten haben. Aber auch Männer, die Gewalt ausüben und damit nicht zufrieden sind, haben eine hohe Hemmschwelle, sich ihrem Problem zu stellen und die Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen.
Männern fällt es häufig schwer, sich als Opfer von häuslicher Gewalt oder von Grenzüberschreitungen gegen ihre persönliche Freiheit zu sehen und sich Hilfe und Unterstützung zu holen. Oft stehen im Vordergrund Gefühle wie Scham oder die Angst, nicht ernst genommen zu werden. Doch auch häusliche Gewalt gegen Männer ist kein Einzelfall, wie die Studie des Bundesministeriums zum Thema „Gewalt gegen Männer“ aus dem Jahr 2004 deutlich zeigt.

Männer als Täter

Gewaltausübung durch Männer ist immer noch ein fester Bestandteil der Gesellschaft und kann somit nicht als Problem Einzelner definiert werden.

Bereits im Kindes- und Jugendalter spielt die Gewalt für Jungen eine große Rolle. Der gewalttätige Umgang untereinander wird oftmals nicht mal als Gewalt wahrgenommen, weder als ausgeübte noch als erlittene, sondern als jungentypische Verhaltensweisen gesehen und akzeptiert. Als Täter und Opfer sind sie mit dem Thema Gewalt alltäglich konfrontiert.

Das Ausüben von Gewalt ist ein jungen- und männertypisches Krisenverhalten. Es ist immer ein Zeichen, dass sie sich nicht anders zu helfen wissen und sich unmännlich und klein fühlen.

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